Unser Extrazug der Zentralbahn mit den historischen Brünigwagen (ex SBB) in Meiringen.
Historische Brünigfahrt nach Meiringen 2026 Rückblick & Bildergalerie
- H.U. Kneuss
Der Tag fing nicht gut an. Der Stromabnehmer am Triebwagen Apfelsaft-Express liess sich mit der Handpumpe nicht heben. Rasch war klar: Wir verlieren Luft, und mit der Handpumpe ist der nötige Druck schlicht nicht erreichbar. Die Abfahrtszeit rückte heran und nichts ging mehr.
Nun galt es gleichzeitig verschiedene Lösungen zu prüfen, um die Fahrt nicht komplett ausfallen zu lassen.
Als verantwortlicher des Reisedienstes Eurovapor sah ich das Szenario bereits vor mir: 92 Reisende warten an mehreren Bahnhöfen, der Extrazug der Brünigbahn steht in Luzern bereit, das Mittagessen in Meiringen ist gekocht – und wir kommen nicht. Von den finanziellen Folgen ganz zu schweigen. Dani, unser Zugführer, meinte später, man habe mir die Sorge regelrecht ins Gesicht geschrieben gesehen, denn angeblich sei ich kreideweiss geworden.
Was nun? Mit dem InterCity nach Zürich und weiter mit dem InterRegio nach Luzern, damit wir den Brünig‑Extrazug auf keinen Fall verpassen.
Währenddessen fuhr der Dieseltraktor den defekten Zug ins Depot zurück, um auf einem stromlosen Abschnitt den Luftverlust am Dach zu suchen. Tatsächlich wurde die undichte Stelle rasch gefunden und abgedichtet. Also zurück aufs Abfahrgleis – und glücklicherweise hob sich diesmal der Bügel. Erleichterung pur.
Mit einer Stunde Verspätung setzte sich der leere Apfelsaft‑Express-Zug schliesslich in Romanshorn in Bewegung. Infolge Unsicherheit des Gelingens des Vorhabens, reisten die Fahrgäste und ein Teil des Personals ab Romanshorn vorsorglich mit dem InterCity Richtung Zürich.
Nun musste mit der Betriebszentrale geklärt werden, wie schnell sie uns nach Luzern durchbringen könnten. Nach meiner Einschätzung wären wir rund eine Stunde später in Luzern. Umso grösser war die Überraschung, als die Rückmeldung kam: Ab Zürich hätten wir lediglich 50 Minuten Verspätung – und in Luzern wären wir wieder rechtzeitig.
Da man sich auf die heutige Fernsteuerungstechnik in der Regel verlassen kann, organisierten wir den Ablauf entsprechend. In Zürich HB stiegen wir aus dem InterCity, und kurz darauf rollte unser Extrazug auf demselben Gleis ein. Der weitere Verlauf entsprach exakt der Prognose: ohne Halt „rutschten“ wir von Zürich nach Luzern und fuhren dort auf die Minute pünktlich ein.
In Luzern stiegen wir in den Brünig‑Extrazug, welcher mit zwei 1.-Klasse- und einem 2.-Klassewagen auf uns wartete – jene vertrauten Leichtstahlwagen mit Mitteleinstieg, wie man sie aus früheren Tagen kannte. Die Sonne kam wieder hervor, und mit spürbarer Erleichterung ging ich durch die Wagen, um den Reisenden in gelöster Stimmung den weiteren Reiseablauf zu vermitteln.
In Meiringen angekommen, findet sich der überwiegende Teil der Reisenden im Restaurant Bahnhöfli zu einem schmackhaften Mittagessen ein. Andere besuchten während dem Aufenthalt die nahe Aareschlucht oder das Sherlock Holmes Museum.
Die Rückreise über den Brünig und der anschliessende Wechsel in Luzern auf unseren Apfelsaft‑Express‑Zug verliefen reibungslos. Während der Fahrt über Zofingen und Lenzburg verwöhnten wir die Gäste mit dem traditionellen Vesperplättli und passenden Getränken. Pünktlich um 22.32 trafen wir mit den letzten Reisenden, zufrieden und voller Eindrücke, in Romanshorn ein.
Dass die Ausflugsfahrt nach Meiringen trotz der unerwarteten Startschwierigkeiten schliesslich zu einem vollen Erfolg wurde, ist keineswegs selbstverständlich. Neben einer Portion Glück war vor allem das rasche und umsichtige Handeln des Zugpersonals entscheidend. Die Lokführer, welche den Triebwagen in Rekordzeit wieder instand setzten, und die umsichtige Arbeit der Disponenten in der SBB‑Betriebszentrale, welche dafür sorgten, dass wir zwischen Romanshorn und Luzern die verlorene Stunde vollständig aufholen konnten. Dieses Zusammenspiel verdient Anerkennung – ihnen allen gebührt ein Kränzchen.
Hansueli Kneuss, Reisedienst Eurovapor