Nachdem 2016 der Velowagen der Rorschach-Heiden-Bahn von den Appenzeller-Bahnen ausgemustert wurde, konnte Eurovapor diesen exotischen Wagen nach der Entasbestisierung erwerben und somit vor dem Abbruch bewahren. 

 

 

Vom Velowagen zum Foto- und Aussichtswagen

Nachdem im Sommer 2017 die Inneneinrichtung soweit möglich demontiert war,  gelangte der D9 nach Stein-Säckingen zur Asbestsanierung. Die Fensterpfosten sowie die gesamte Decke wiesen Spritzasbest aus den 1950er-Jahren auf, der dann Ende 2017 fachmännisch entsorgt wurde. Anschliessend an die Sanierung ging der nun unbelastete Wagen in den Bestand der Eurovapor über. Seit Januar 2018 stand das Fahrzeug in Sulgen zur Aufarbeitung und sollte noch im selben Jahr wieder in den Betrieb gelangen. Die Arbeiten zeigten sich aber wesentlich aufwändiger als vorerst angenommen, sodass erst im Mai 2019 das Roll-Out stattfand.

Äusserlich hat man den Wagen an die Leichtstahlwagen-Flotte angeglichen. Er trägt nun das Farbkleid in SBB-grün, hat aber als Hommage an seine Herkunft die Anschriften der Rorschach-Heiden-Bahn zurückerhalten. Die Rangiergriffe an den Stirnseiten sind ebenfalls nach Leichtstahlwagen-Vorbild nachgebaut und montiert worden. Des Weiteren hat der Wagen die Supporte für die Scherengitter an offenen Wagenübergängen erhalten. Zur Vereinheitlichung gehörte auch der Ausbau der Dreipunkt-Spitzenbeleuchtung aus RHB-Zeiten.

Die Sitzanordnung mit den quer zur Fahrrichtung angeordneten Bänken mag auf den ersten Blick eigenartig wirken. Mit diesem Konzept konnte die Eurovapor aber einen grossen Interessenskonflikt auf Extrafahrten tilgen. Die grossen Tische in den Reisezugwagen behinderte Fans und Fotografen oftmals dabei, schöne Fotos zu schiessen oder sich am offenen Fenster den Wind um die Nase wehen zu lassen. Zeitgleich störten sich andere Fahrgäste, die beispielsweise gerade assen, an der Zugluft und ggf. am Rauch der Dampflok, der bei offenen Fenstern durch die Wagen wehte. Mit dem B9 kann den Fans und Fotografen ein Wagen mit viel Stehfläche geboten werden, wo ausserdem alle Fenster gut zugänglich sind. Die Stirnfester bieten eine gute Sicht auf die Strecke oder auf das Zugfahrzeug. Somit gilt der B9 fortan als Foto- und Aussichtswagen. Offene Fenster sind hier erwünscht und werden niemanden mehr stören.

Diese Revisionsarbeiten wurden ausgeführt:
- Definition der neuen Sitzanordnung
- Ausbau der Spitzenbeleuchtung aus RHB-Zeiten und anschliessendes Verschweissen der Bohrungen
- Ausbau nicht mehr benötigter elektrischer Komponenten aus RHB-Zeiten
- Zweimaliges Grundieren des gesamten Innenraums.
- Einbau einer neuen Dämmung als Asbestersatz 
- Komplette Neulackierung: Neue Grundierung, Füller, Verspachtelung und Lackierung mit polyurethanbasiertem Lacksystem (PU).
- Erstellung und Einbau der neuen Decke. Anschliessende Lackierung in weiss.
- Konstruktion und Montage neuer Seitenwandelemente in Birkensperrholz, klarlackiert.
- Reinigung und stellenweise Reparatur der Sitzbänke aus RHB-Zeiten
- Einbau von vier neuen, halbhohen Trennwänden im Einsteigsbereich
- Einbau der Bänke
- Umfassende Reinigung des Innenbereichs als Abschluss
- Aktive Förderung von Materialsponsoring diverser Firmen. (Vollständige Liste folgt)

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