Mein Ziel dieser Fahrt war es, mit der zurzeit in Sissach stationierten Dampflok 50 3673 eine attraktive Tagesfahrt von ca. 200 km auf die Beine zu stellen. Mit der Planung begannen wir frühzeitig und ein Kollege unterstütze mich in dieser anspruchsvollen Aufgabe tatkräftig. Alleine das Fahrdienstpersonal umfasste zur Besetzung der Loks unter Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes insgesamt 10 Personen (5 Lotsen für die Dampflok, 1 Heizer, 1 Dampflokbediener und weitere 3 Lokführer für die Bedienung der Be 4/4). Für die Zugbegleitung waren zudem 4 Zugführer nötig. Die Trassenplanung stellte mich immer wieder vor neue Herausforderungen, so war u.a. die Strecke zwischen Hasle-Rüegsau und Burgdorf gesperrt und so musste die Be 4/4 als Leerfahrt von Ramsei nach Olten via Langnau – Bern geleitet werden.

Für die insgesamt abwechslungsreiche Dampffahrt meldete sich eine erfreulich grosse Schar von 130 Personen an. Das im Speisewagen servierte Mittagessen war eine zusätzliche Attraktion und die 2x 40 Plätze waren bald ausgebucht. Die Fahrt von Sulgen über St. Gallen nach Olten Hammer verlief planmässig. In Olten Hammer trafen pünktlich die Dampflok mit Speisewagen aus Sissach ein. Als weiterer Höhepunkt überraschte uns in Lyss die vor dem Depot stehende Dampflok 01 202 des Vereins Pacific, dessen Kollegen für uns das Wasserfassen der 50er organisierten.

Über die für uns Ostschweizer eher unbekannte Strecke über Kerzers gelangten wir nach Bern Bümpliz Nord. Dort zeigten sich an der Dampflok erste Probleme mit der Luftpumpe. Nach 15 Minütiger Verspätung ging es zügig weiter und bis Konolfingen war die Verspätung wieder eingeholt. Es folgte eine meiner Lieblingsstrecken durchs Emmental nach Hasle-Rüegsau. Von Hasle-Rüegsau nach Ramsei erneut eine Wende mit der Be 4/4 an der Spitze. In Ramsei verliess uns dann die Be 4/4, damit wir mit dem Dampfzug über die nicht unter Spannung stehende Museumsstrecke nach Huttwil fahren können. Doch so weit kam es nicht mehr, denn kaum hatte uns in Ramsei die Be 4/4 verlassen, wurden mir erneut Probleme mit der Luftpumpe gemeldet. Vorsorglich stoppte ich die Be 4/4 kurz nach Langnau, um uns notfalls abschleppen zu können. Die Luftpumpe verabschiedete sich schliesslich definitiv und es gab für mich nur noch Plan B; Abschleppen lassen mit der Be 4/4. Die ganze Prozedur zur Rückleitung der Be 4/4 nach Ramsei und Neuanordnung über den Umweg via Langnau – Bern – Burgdorf nach Olten beanspruchte seine Zeit und so setzte sich der Abschleppzug mit rund 3 Std. Verspätung in Bewegung. Danach ging es dann zügig heimwärts und die Dampflok mit Speisewagen hängten wir in Langenthal an die angeforderte Ae 6/6 „Aargau“ um. Unser „Nacht-Express“ erreicht dann schliesslich mit Rund 1 ½ Std. Verspätung gegen 1 Uhr in der Früh Sulgen.

Fazit: Insgesamt erlebten wir eine spannende Dampffahrt quer durchs Bernbiet über interessante Nebenstrecken. Ein grosses Kompliment auch der Speisewagencrew, die uns ein ausgezeichnetes Zürigeschnetzeltes auftischten. Die Reise wäre zu perfekt gewesen, wenn wir den krönenden Abschluss der Strecke von Ramsei nach Huttwil hätten befahren können.

Hansueli Kneuss, Organisation & Reiseleitung Eurovapor

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