Herz Europas – Motor der Innovation
Der Bodensee im Herzen Europas war und ist natürlich ein verkehrsgeografisch bedeutsamer Knotenpunkt. Hier führten einst wichtige Wege von Nord nach Süd durch das Alpenrheintal und Richtung Westen nach Frankreich. Der Verkehr war einst zu Wasser unglaublich viel müheloser als zu Lande, so nutzten diese Transitrouten gerne den Bodensee als Verkehrsweg.
Marktplatz der Ideen
Förderte dies vielleicht besonders einen Marktplatz der Ideen hier? Waren das die Gründe weshalb hier Innovation einen wichtigen Stellenwert erhielt? Rund um den Bodensee finden sich nämlich bedeutende Zeugen der Verkehrs- und Industriegeschichte, die heute vielfach museal sehr erfolgreich genutzt werden: das Zeppelin Museum in Friedrichshafen bietet die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung zur Geschichte und Technik der Zeppelin-Luftschifffahrt. Seit 1996 ist das Museum Publikumsmagnet für Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt. Zu erwähnen sind ausserdem das Dornier-Museum (eröffnet 2009), das Rolls-Royce-Museum Dornbirn, Rhein-Schauen mit einer europaweit einzigartigen historischen Baubahn, aber auch die Spezialmesse „Klassikwelt Bodensee“, die sich alten Fahrzeugen verschrieben hat.
Schweizer Bodenseeufer
Die verkehrsgeografisch günstig gelegene Region um Arbon und Romanshorn zog nach 1850 viel Gewerbe und Industrie an, Technikgeschichte und Industriegeschichte haben hier attraktive und spannende Zeugnisse zurückgelassen. Ab 1824 verkehrten Vorboten der Industrialisierung die ersten Dampfschiffe auf dem Bodensee. Sie legten ab 1832 in Romanshorn an (vorher in Uttwil). Als der Kanton Thurgau 1840-44 einen Hafen baute und die Postkurse nach Schwaben über Romanshorn führten, begann der Ort zu wachsen. 1855 wurde die Bahnlinie Zürich-Romanshorn eröffnet und 1856 ein Telegrafenkabel über den See verlegt. Der Trajektverkehr (Eisenbahnfähren) von Lindau und Friedrichshafen nach Romanshorn wurde 1869 aufgenommen, 1945 durch Autofähren erweitert. 1869 bzw. 1871 nahm die Nordostbahn die Linie Rorschach-Romanshorn-Konstanz in Betrieb.
1910 erfolgte die Eröffnung der Bahnstrecke nach St. Gallen. Das 1892 eröffnete Lager der Eidg. Alkoholverwaltung in Romanshorn besass um 1980 ein Fassungsvermögen von 30 Mio. Litern Alkohol (bis 1998), heute Domizil der Autosammlung von Fredy Lienhard und auf Expansionskurs. Die alte SBB-Lokremise beheimatet heute die neue, sich erst im Aufbau befindliche Eisenbahn-Erlebniswelt, unterstützt vom heute einzigen Schienenfahrzeugproduzenten der Schweiz, Stadlerrail, der übrigens unweit seine Produktionssrätte hat, in Bussnang/TG und Altenrhein. Ab 1927 führte der deutsche Flugzeugbauer Claude Dornier wegen des Flugzeugbauverbots nach dem 1. Weltkrieg eine Fabrik in Altenrhein (Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA), die das Riesenflugboot Do X (1929) baute.
In Arbon bestanden mit den Firmen von Arnold Baruch Heine - Stickerei (1911 2'200 Beschäftigte) und Saurer (1911 1'500 Beschäftigte) die grössten Thurgauer Fabriken, sie figurierten 1905 unter den 20 Schweizer Unternehmen mit den meisten Beschäftigten. Hatte sich die Einwohnerzahl Arbons bereits 1850-80 verdoppelt, so übertraf sie im enormen industriellen Aufschwung bis zum 1. Weltkrieg die Grenze von 10'000 Einwohnern. Nach dem 2. Weltkrieg trug zum wirtschaftlichen Aufschwung nochmals wesentlich die Adolph Saurer AG bei. Sie war der bedeutendste Schweizer Hersteller von mittleren und schweren Lastwagen und zeitweise auch von Autobussen und Trolleybussen, sowie Militärfahrzeugen. Im Mai 2010 wird das neue Museum, erweitert um die Sparte Textil im Areal des ehemaligen Saurer Werks 2 eröffnet.